Dienstag, 12. Dezember 2017

Suchen auf dieser Seite

Kreisfusion: Mit Goslar etwas im Harz bewegen

Wenn schon, dann ist die Bürgerinitiative „Für Osterode“ für eine Kreisfusion mit Goslar. Jon-Christoph Döring hat bei einem Infoabend mit der Bad Lauterberger BI erklärt, warum.  

 

Jon-Christoph Döring kennt sich aus mit Osterode und mit kommunaler Verwaltung. Er ist gebürtiger Osteroder und lehrt als Dozent an der Kommunalen Hochschule für Verwaltung in Niedersachsen (Hannover) – unter anderem öffentliche Betriebswirtschaftslehre. Er hat eine ganz klare Meinung zu einer möglichen Kreisfusion und engagiert sich deshalb in der Bürgerinitiative „Für Osterode“. Am Montag (16.07.2012) hat er seine Sicht der Dinge bei einem Informationsabend mit der Bürgerinitiative Bad Lauterberg (BI) vor etwa 40 Zuhörern erläutert.

 

Der Landkreis Osterode und die Bildungswanderung

„Fusionieren wir mit Northeim und Göttingen, finden wir uns damit ab, dass wir den bestehenden Mangel nur verwalten – oder verwalten lassen“, sagte Döring. „Fusionieren wir mit Goslar, habe ich die ehrliche Hoffnung, dass wir im Harz gemeinsam etwas bewegen können.“ Und etwas Bewegung habe Osterode dringend nötig, vor allem eine positive wirtschaftliche Entwicklung. Nur so könne dem demografischen Wandel einigermaßen entgegengesteuert werden, erklärte Döring. Denn dieser sei im Landkreis Osterode nur zum Teil mit zu wenigen Geburten zu erklären – jedenfalls sei die Geburtenrate hier mit 1,3 Kindern je Frau im gebärfähigen Alter deutlich höher als die im Landkreis Göttingen (1,0). Vielmehr mache sich im Landkreis Osterode die sogenannte Bildungswanderung besonders stark bemerkbar.

Einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge gleichen sich die Zahlen der Zu- und der Fortzüge in den meisten Altersjahrgängen nahezu aus. Nur bei den jungen Menschen zwischen 18 und Anfang 30 klafft eine große Lücke. In diesen Jahrgängen sind die meisten Zuzüge zu verzeichnen, aber noch viel mehr Menschen ziehen weg. Dörings Erklärung ist ganz einfach: Die Jungen verlassen den Landkreis für ein Studium oder eine Ausbildung, und danach kommen sie nicht wieder zurück. Offenbar sei das Angebot an geeigneten, qualitativen Arbeitsplätzen nicht gut genug. Da aber auf diese Weise die Bevölkerung noch viel schneller abnimmt, als alleine durch die niedrige Geburtenrate, müsse man dem Trend wirtschaftspolitisch entgegensteuern.

 

Zwei Nachteile: Göttingens Stärke und Northeims Schwäche

So geht es für Döring bei der Suche nach den richtigen Fusionspartnern also vor allem um die Frage, mit welcher Option das Gebiet des jetzigen Landkreises Osterode die besseren Entwicklungschancen bekommt. Und die sieht er ganz klar bei der Goslarer Lösung. Nimmt man zum Beispiel die wirtschaftlichen Kennzahlen Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Produktivität, steht der Landkreis Osterode gar nicht einmal so schlecht da, er ist tatsächlich sogar einer der stärksten in Niedersachsen. Bei den vier potentiellen Fusions-Landkreisen sind BIP und Produktivität in Osterode denn auch am höchsten. Goslar steht bei der Produktivität auf Platz 2 und beim BIP auf Platz 3. Northeim ist in beiden Fällen Schlusslicht auf Platz 4. Diese „wirtschaftliche Schwäche von Northeim“ sei schon einmal ein Risiko.

Bei der Dreierlösung Göttingen/Northeim/Osterode müsse man zudem davon ausgehen, dass die ja ohnehin schon starke Sogwirkung ins große Oberzentrum Göttingen nochmals verstärkt wird, warnte Döring. Es sei wahrscheinlich, dass sich die berufliche Bildung weiter in Richtung Göttingen verschiebt. Man müsse zum Beispiel fest mit der Zusammenlegung von Berufsschulen rechnen, was noch mehr junge Menschen dorthin zöge. Und natürlich würde sich die Politik vor allem um jene Orte kümmern, in denen die größte Wählerschaft zu finden ist – mit entsprechenden Folgen bei der Verteilung von Fördergeldern.

 

Mehr Gemeinsamkeiten innerhalb des Harzes

Bei einer Fusion mit Goslar könne dagegen eine gemeinsame Wirtschaftsförderung durch die Initiative Zukunft Harz erreicht werden, so Döring. Überhaupt könne für die Ausbildung ein „harzspezifisches berufliches Bildungsangebot“ entwickelt werden – zum Beispiel im Bereich Tourismus. Dann bräuchten junge Menschen gar nicht erst wegzuziehen. Auch die Aufnahme des Landkreises Goslar in das Netzwerk „100 % Erneuerbare-Energien-Region“ berge große Potentiale. Letztlich werde es durch eine gemeinsame Wirtschaftsförderung wahrscheinlicher, dass sich Unternehmensgründungen aus der TU Clausthal auch mal im räumlich nahen Osterode ansiedeln. Die Uni Göttingen sei für einen ähnlichen Effekt viel zu weit entfernt – ganz abgesehen davon, dass Northeim schon heute die wenigsten Gewerbeanmeldungen der vier Landkreise zu verzeichnen habe, weil „Göttingen einfach zu stark zieht“.

Auch der Tourismus spreche für eine Fusion mit Goslar. Denn was das Fortkommen der Region angeht, hält Döring den Tourismus für deutlich unterschätzt. Es gebe noch viele ungenutzte Potentiale oder auch neue Chancen wie die „100 % Erneuerbare-Energien-Region“. Industrie und Tourismus müssten sich nämlich gar nicht gegenseitig ausschließen, die Region Aurich zeige im Gegenteil, dass sie zueinander passen könnten. Außerdem stiegen die Übernachtungszahlen wieder, weil die Menschen vermehrt Urlaub im eigenen Land suchten. Und vor allem habe dieser Wirtschaftszweig einen entscheidenden Vorteil: Industrie könne wegziehen, die touristische Infrastruktur aber nicht einfach so versetzt werden. Oder, wie Döring feststellte: „Der Harz bleibt im Harz.“

 

Ist behauptetes Einsparpotential realistisch?

Döring nannte noch zwei weitere Punkte, die seiner Ansicht nach gegen die Dreierfusion sprechen. Durch die enorme Größe des Landkreises – größer als das Saarland – nehme die Bürgernähe ab. Und ob sich die versprochenen Einsparungen verwirklichen lassen, sei nicht nachgewiesen. Zum Beispiel seien die Gesamtverbindlichkeiten der Region Hannover nicht etwa gesunken, sondern von 402 Millionen Euro (2002) auf 1,2 Milliarden Euro (2010) verdreifacht worden. Die Zahl der Vollzeitstellen im öffentlichen Dienst sei von 2173 (2001) zunächst auf 1886 (2005) gesunken, dann aber wieder auf 2034 (2010) gestiegen.

 

Kritisch mit Informationen und Statistiken umgehen

Für die eigene Bewertung der verschiedenen Fusionsoptionen gab Döring den Zuhörern einen wichtigen Tipp: Man solle immer hinterfragen, woher die Informationen kommen, auf welcher Grundlage und mit welcher Methode eine Statistik erstellt wurde und wer warum welche Angaben macht.

Der Kreistagsabgeordnete Dr. Reiner Schenk (Grüne) nahm sich das in der anschließenden Diskussion gleich zu Herzen und hinterfragte die Zahlen zur Region Hannover. Ob die Zunahme der Personalstellen nicht mit der Auflösung der Bezirksregierungen zu tun habe. Ja, 82 Stellen seien darauf zurückzuführen, gab Döring zu. Dennoch seien zwischen 2005 und 2010 immerhin noch 66 weitere Stellen hinzugekommen.

Reiner Schenk sprach außerdem die Problematik kommunaler Verbände, wie den Zweckverband Verkehrsverbund Südniedersachsen, an. Die empfindet Döring zwar als kompliziert „aber nicht unlösbar“. Man habe dafür bei neuen Verhandlungen auch eine neue Chance, „das Beste daraus zu machen“.


Warning: Creating default object from empty value in /home/www/ln/modules/mod_roknewspager/lib/helper.php on line 301

Die Schneckenbecks


Warning: Creating default object from empty value in /home/www/ln/modules/mod_roknewspager/lib/helper.php on line 301

Warning: Creating default object from empty value in /home/www/ln/modules/mod_roknewspager/lib/helper.php on line 301

Warning: Creating default object from empty value in /home/www/ln/modules/mod_roknewspager/lib/helper.php on line 301

Warning: Creating default object from empty value in /home/www/ln/modules/mod_roknewspager/lib/helper.php on line 301

Warning: Creating default object from empty value in /home/www/ln/modules/mod_roknewspager/lib/helper.php on line 301

Bild der Woche


Warning: Creating default object from empty value in /home/www/ln/modules/mod_roknewspager/lib/helper.php on line 301

Redaktionsblog


Warning: Creating default object from empty value in /home/www/ln/modules/mod_roknewspager/lib/helper.php on line 301

Neueste Beiträge


Warning: Creating default object from empty value in /home/www/ln/modules/mod_latestnews/helper.php on line 109

Warning: Creating default object from empty value in /home/www/ln/modules/mod_latestnews/helper.php on line 109

Warning: Creating default object from empty value in /home/www/ln/modules/mod_latestnews/helper.php on line 109

Warning: Creating default object from empty value in /home/www/ln/modules/mod_latestnews/helper.php on line 109

Warning: Creating default object from empty value in /home/www/ln/modules/mod_latestnews/helper.php on line 109

Warning: Creating default object from empty value in /home/www/ln/modules/mod_latestnews/helper.php on line 109

Demnächst:


Disclaimer

Wichtig: Bitte beachten Sie unser Impressum und unsere rechtlichen Hinweise