Sonntag, 28. Mai 2017

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UnLauter

Wahlbenachrichtigung: Facebook statt Postkarte

Es twittert von den Dächern: Damit sich das Wahlbenachrichtigungs-Debakel nicht wiederholt, setzt die Stadtverwaltung in Zukunft auf moderne Kommunikation und soziale Netzwerke.

 

 

Auf der jüngsten Ratssitzung musste sich der Bürgermeister schon wieder allerhand Fragen zu den verschusselten Wahlbenachrichtigungen anhören. Das geht ihm allmählich auf den Keks. Und so hat er einen guten Vorsatz fürs neue Jahr gefasst: Ein solches Debakel soll sich nicht wiederholen können.

Daher sinniert die Stadtverwaltung momentan über geeignete Alternativen zur bisherigen Praxis. Denn der ganze Bimmes mit Postkarten sei doch fürchterlich überholt, findet der Bürgermeister. Die Zeiten, in denen man seine Gewinnspiellösung noch auf Karton gekritzelt an das „ZDF - 6500 Mainz 500“ schickte, seien ja schon ein Weilchen vorbei. Da müsse man langsam mal nach moderneren Kommunikationswegen suchen.

Die zu nutzen, hätte auch zwei weitere Vorteile. Zum einen seien sie oft deutlich kostengünstiger als das sonst anfallende Porto, zum anderen erlaubten sie eine zielgruppengerechtere Ansprache. „Als Nebeneffekt könnten wir damit sogar die Wahlbeteiligung steigern“, ist der Bürgermeister optimistisch.

 

Task Force im Rathaus

Zur Landtagswahl am 20. Januar unternimmt die Stadtverwaltung bereits erste Tests – ganz inoffiziell versteht sich und noch nebenher zur herkömmlichen Karte. Dafür hat sie eigens im Fachbereich VI die Task Force „Wahl-B-Nachrichtigung“ gegründet. Nach einer ausführlichen Pilotphase, in der gründlich herumexperimentiert wurde, liegt jetzt sozusagen die Versuchsanordnung vor.

Die älteren Bürger, die der neuesten Technik gegenüber noch nicht so aufgeschlossen sind, möchte die Verwaltung mit Infoflyern – pardon, mit Informationsfaltblättern ansprechen. Sie sind in lesefreundlichem Großdruck gehalten.

An den Wähler gebracht werden sollen die Faltlinge als Beilage zur Apotheken-Umschau. Besonderer Vorteil: Ergäbe sich bei jemandem nach der Lektüre noch Informationsbedarf, könne er sich vertrauensvoll an das Apothekenpersonal wenden. Das Prinzip „Zu Risiken und Nebenwirkungen…“ sei den älteren Bürgern bestens vertraut, habe sich bewährt und könne ja generell bei einer Wahl nicht schaden, bei der die FDP antrete, so der Bürgermeister.

Man habe bei ersten Pilotflyern übrigens feststellen müssen, dass gerade diese Wählergruppe sehr sensibel auf sprachliche Feinheiten reagiert und deshalb gewissenhaft formuliert werden müsse. Zum Beispiel sei das vermeintlich unverfängliche Wort „Urnengang“ nicht besonders gut angekommen.

 

Wahlbenachrichtigung 2.0 – gezwitschert und angepinnt

Einfacher sei es da schon bei Wahlbenachrichtigungen für die technikaffinen Bürger – insbesondere bei Twitter, wo ausschweifende Formulierungen ja sowieso nicht gerade zur Netiquette gehören. „Unsere Follower lieben es schnörkellos – eine kurze, knappe Ansage reicht völlig“, weiß der Bürgermeister und zeigt stolz das Ergebnis der fünfwöchigen Pilotreihen:

Bürgermeister @der_buergermeister_der_stadt_bad_lauterberg_im_harz_-_staatlich_anerkanntes_kneipp-heilbad_u_schroth-kurort:  20.01.: Wahl. Hingehen!“

Wer twittert, der muss natürlich auch facebooken. „Gerade über Facebook können wir die Jugend für die Politik begeistern“, ist der Bürgermeister selbst ganz angetan. Man müsse sich nur einen kleinen Gag einfallen lassen, schon würden die Erstwähler das „Event Wahl“ fleißig liken, posten und teilen. Für den Test bei der Landtagswahl hat sich die Task Force eine Aktion an die virtuelle Pinnwand gepappt, die dem Bedürfnis der Jugendlichen nach einem Gruppenerlebnis besonders gerecht wird:

Aufgepasst! Am Sonntag, 20. Januar, 12.34 Uhr: Flashmob im Wahllokal. Mitbringen: Kugelschreiber, Perso. Was passiert: Crowd Voting. Ende: 12:36 (aber nur, wenn die da mit dem Wählerverzeichnis hinterherkommen LOL).“

Der Bürgermeister und seine Task Force sind überzeugt, mit ihrer neuen Form der Wahlbenachrichtigung viel näher an die Menschen heranzukommen. Und was solle daran falsch sein, wenn wählen auch Spaß macht? „Spätestens wenn wir die Wahlbeteiligung auf über 90 Prozent kriegen, haben diese beknackten Karten bei uns ausgedient“, sagt der Bürgermeister.

Nur für eine kleine Unwägbarkeit hat die Stadtverwaltung noch keine Gegenstrategie entwickelt: Was passiert, wenn der Flashmob zu einer chaotischen Facebook-Party mit fünftausend Jugendlichen mutiert? Erstens reichen dann die Wahlscheine gar nicht – und zweitens würde hinterher bestimmt wieder irgendjemand Fragen stellen.


Die Redaktion weist aus gegebenem Anlass darauf hin, dass es sich bei diesem Beitrag um eine Satire handelt. Im Übrigen wird die Stadtverwaltung künftig alle Nichtwähler einfach von ihrer Facebook-Freundesliste streichen.


 

Noch mehr Stunden im Rat – Teil 7¾

Das i-Tüpfelchen fürs Stadtsäckel

Einstimmig hat der Stadtrat die Erhöhung der Tüpfelantennenwels-Steuer beschlossen. Damit steigt die Steuer um 10 Cent pro Monat für jeden Auswuchs – also jede „Antenne" – eines Tieres. Zuvor wurde aber kontrovers diskutiert.

 

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Nachdem Ratsherr Müller fragte, welche Berechtigung diese Steuer auf die possierlichen Algenfresser eigentlich habe, merkte Ratsherr Meier an, das Ziel einer Steuer sei das bloße Geldeintreiben. Und für dieses Ziel sehe er da durchaus noch ganz anderes Potential. Man solle doch mal überlegen, endlich auch Abgaben auf Nymphensittiche und Zwergwidder wildgrau-hasengrau einzuführen.

Im Sinne der Steuergerechtigkeit forderte Ratsherr Lüdenscheid bessere Überwachung: Es könne nicht sein, dass der ehrliche Bürger brav zahlt, während sich gleichzeitig beim Nachbarn ein ganzer Schwarm „schwarzer" Tüpfelantennenwelse tummele.

 

Unterschiedliche Auffassungen zu Kontrolldichte

Ratsherr Loose dagegen empfindet die Kontrolldichte schon jetzt als ausreichend bis enervierend: Mehrfach habe er in den letzten Tagen den Mitarbeitern des Ordnungsamtes sogar seine Aquarium-DVD vorspielen müssen. Die ganzen 270 Minuten – mit isländischer Tonspur.

Ratsherr Meier hingegen stellte fest, noch nie habe er jemandem seinen Premium-Außenfilter mit Hydrotech-Technologie und Hochleistungs-Vorfilterpatrone zeigen können ... äh ... habe jemand den eventuellen Besatz des Aquariums mit Tüpfelantennenwelsen nachgeprüft. Die Mitarbeiter sollten außerdem mehr auf Hinweise aus der Bevölkerung achten, zum Beispiel wenn Nachbarn auffällige Käufe von Tetra-Power-Tabletten, Mückenlarven oder Minikäschern melden.

 

Mit Webcam auf Welsjagd

Der Kämmerer nahm seinen Außendienst in Schutz: Die Mitarbeiter seien zu gewissenhaften Kontrollen angewiesen. Leider gebe es jedoch immer eine Dunkelziffer, da die nachtaktiven Tiere häufig untertauchten. Man ziehe allerdings in Erwägung, eine Ausrüstungspflicht für neugekaufte Aquarien einzuführen: Demnach solle jedes Aquarium mit einer nachtsichtfähigen Webcam ausgestattet und die Besitzer zum dauerhaften Aussenden eines Internet-Livestreams verpflichtet werden. So könne man eine lückenlose Kontrolle gewährleisten – theoretisch zumindest. Man setze dabei auch auf Bürgerengagement. Jedenfalls würde die Verwaltung mit dieser Maßnahme auf deutlich mehr Tüpfelantennenwelse aufmerksam werden, hofft der Kämmerer. Außerdem könne man das Material sammeln und selbst eine ansprechende DVD-Box herausbringen. Der Kämmerer zwinkernd: „Fürs gebeutelte Stadtsäckel wäre das quasi das i-Tüpfelchen."

Ratsherr Klöbner konnte die ganze Aufregung nicht fassen: „Das ist doch Quatsch, den wir hier diskutieren." Wem die Tüpfelantennenwels-Steuer nicht passe, der solle sich halt Fischstäbchen ins Wasserbecken legen.

Weitere Neuerung für die Aquarianer: Mit der überarbeiteten Satzung wird eine Anregung des Präventionsrates aufgenommen – es gibt ab sofort eine stark erhöhte Sondersteuer auf Kampffische.


   

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Die Schneckenbecks


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